größe
die besten reden hält man vor dem spiegel.
wer gibt, weil er braucht, schöpft aus einer trüben quelle. (anselm grün)
glaubt man der zeitung, trauen die wähler keiner partei zu, die karre aus dem ostdeutschen dreck zu ziehen.
milchgeld, essenmarken, ermäßigte monatskarte, elternabend, schlafzeug, vesper, neue turnschuhe, zeichenzeug, gummistiefel, werkenschürze, elternvertretung, förderverein... der wahre grund des geburtenrückganges ist die organisatorische überlastung des familienvorstandes ab dem zweiten schulkind.
die vorfreude auf eine symptomfreie krankgeschriebene woche bei sonnigem ferienwetter wird geschmälert durch das schlechte gewissen.
ich hatte nicht befürchtet, dass die eltern so lang bleiben würden.
in einer stunde geht der kleine mit zuckertüte. am nachmittag kommen gäste. keine zeit für zipperlein.
der weg zum tierheim führte an unserem haus vorbei. nun teilt er mit henne den stubenarrest.
die sitzordnung und freundefindung in der neuen schule ab montag wird ohne henne entschieden.
ich bin zu fett. es tut mir leid, aber ich habe die gleiche neurose wie allerweltsfrau. heute morgen schrillten beim blick auf die digitalanzeige der eingestaubten waage die alarmglocken, die die überschreitung der festgesetzen höchstmarke bedeuten. ziemlich genau vier kilo, schön zentral um bauch und hüften angeordnet, trennen mich vom wunschgewicht. selbstverständlich lässt sich das kaschieren. wenn ich jedoch in diesem zustand in die vorweihnachtzeit starte (und das ist bald), sehe ich am ende des winters aus wie eine matrjoschka. es wird also etwas geschehen. jetzt setzt warscheinlich ein getuschel ein, welche diät es sein wird. trennkost? brigitte diät? ersatznahrung? die wahrheit ist: um dem angefressenen speck wirkungsvoll zu leibe zu rücken, gibt es nur eine einzige möglichkeit: weniger essen. oder glaubt frau tatsächlich, weiterhin zum frühstück weißmehlbrötchen mit nutella oder fleischsalat, mittags fastfood, am nachmittag kuchen und zum abendessen pasta mit sahnesoße in sich stopfen zu können und dabei abzunehmen? wer essen will, möge essen und zwar mit lust und was immer ihm schmeckt und in der menge, die er schafft, aber ich habe es satt, im wahrsten sinne des wortes, mir heulereien um moppelige oberarme gepaart mit der lüge, fast nichts zu essen, anzuhören. und ich habe für mich und mein spiegelbild entschieden, dass für eine weile schluss ist mit der schlemmerei und schmalhans küchenmeister wird, streng gemessen an einem uralten weight watchers punktesystem, das obst und gemüse zulässt, auf dass es einem zu den ohren herausquillt, aber mit eiweiß und kohlenhydraten kurz über der fastenmarke bleibt. das wird kein zuckerschlecken. das hefeweizen wird mir fehlen.
"ich habe keinen job", sagt er im lauten getümmel des kinofoyers. "mein geld reicht noch für vier wochen. ich weiß noch nicht, was dann passiert. sie ist mir auch keine hilfe." "welche art von hilfe brauchst du denn?", frag ich. dann stellt sich wer zu uns und das thema wechselt.
die worte tauchen auf und verschwieden wieder, plötzlich und unberechenbar, unsicher, ob sie für den nächsten gedanken zur verfügung stehen. ist ein gedanke denkbar, wenn der fundus der worte leer ist?
heute wünsche ich mir einen freund, der ein wenig die brauen hochzieht und lächelt, wenn ich sage: "tut mir leid, die woche lief nicht so richtig...".
die schwägerin kommt mit den söhnen vom friseur. den halben kindergarten träfe man dort. sie sollen "top" aussehen zur schuleinführung. in dreißig jahren werden sie trotzdem lachen über die fotos. der kleine geht unfrisiert wie immer.
nach einem jahr bemerke ich, dass mir um diese zeit an meinem arbeitsplatz die sonne ins gesicht scheint.
wenn ich zwei stunden mit dem kleinen umgeben von aphatisch vor sich hinstarrenden menschen im wartezimmer der inkompetenten vertretungsärztin "ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst" und ähnliches durchgehalten habe, um ein rezept für eine antibiotische salbe ausgestellt zu bekommen, bin ich wiederholt der meinung, dass diesbezüglich grundlegende reformen überfällig sind.
neunzig prozent werden nicht verstehen, dass man viele stunden mit dem nähen eines quilts zubringen zu müssen glaubt (unter vorsichtiger schätzung des weiblichen anteils der mitleser und deren interessenschwerpunkten).
wenn das leben eine prüfung ist, entsteht der eindruck, wir werden in verschiedenem maß geprüft. womöglich liegt der trugschluss aber darin zu glauben, die gebote seien leichter zu erfüllen, wenn das dasein keine existentiellen herausforderungen stellt.
steinbock. ein guter tag zum pflanzen. dreißig lavendelbüsche um im nächsten jahr in duft und farbe schwelgen zu können. als es zu dunkel wird, zeigt die uhr erst neun. so nah ist der herbst schon! mir wird angst.
eine frau betritt das büro. sie wirkt verschüchtert. sieht verheult aus. wie jemand, der schlechte nachrichten bringt. ich begrüße sie freundlich. sie flüstert meinen namen und sieht sich verstohlen nach den anderen um. zeigt kurz einen dienstausweis. da wäre ein offenes bußgeld.
heute war ich dran, in die engere wahl für die vorauswahl für ein treffen mit günter jauch zu kommen.
in einem der momente, wo das gespräch wohlig warm ist und man noch die eine oder andere schmeichelei vertragen könnte, frag ich den kater, wie er mich einem fremden beschreiben würde.
heute kaufte ich mir für fünfundzwanzig euro einen namen. gebraucht, aber gut erhalten. er passt mir noch wie angegossen. bin ich jetzt, wer ich früher war?
vor äußerungen, wir prima es sei, dass die zwerge nun zweifach familienurlaub machen könnten, möge meine zunge behütet sein.
nichts besitzen, wovon man sich demnaechst trennen muesste. immer noch erfuerchtig vor fremder leute kuechenrollenhaltern stehen.
ein starker auflandiger wind macht schoene wellen, unter denen der kleine und sein freund hindurchtauchen. ich beobachte sie aufmerksam und denke an m., deren zwillingsschwester in mexico beim baden ertrank. fuenfundneunzig muss das gewesen sein. den freund der schwester schleppte sie damals eine weile mit sich herum. fuer mich war er ein arsch, aber ich kannte m. kaum und die schwester nicht.
wer glaubt, die biedere genauigkeit der deutschen an ihren hecken bemessen zu koennen, hat noch keinen belgischen vorgarten gesehen.
die zwerge lieben diese interfamiliaeren weisst-du-noch-geschichten, wie die von unserem ersten gemeinsamen besuch beim kater, als ich salz ueber den apfelkuchen gestreut hatte, oder die, als ich mir am morgen joghurt in den kaffee schuettete, die sie zu erwaehnen nie muede werden. neu seit vorgestern ist: weisst du noch, als der kleine kopfueber in den strassengraben radelte?