31.10.05

gemeindestrukturreform

eine pfarrstelle wurde gestrichen. es geht, wer sich bereit erklärt. zum abschied donnert der kantor bach durch alle register. eine frau weint.

30.10.05

resilienz

die möglichkeit, dass aus den zwergen glückliche menschen werden, besteht immer.

eröffnungsfeier

"den emotionalen unterhaltungen der frauen höre ich immer gern zu", sagt der kater.

29.10.05

bitte

die letzten zehn taler, die ich einstecken hatte, gab ich dem penner, der schmuddelig, nach alkohol riechend in meinem laden stand und fragte, ob ich ihm geben würde, was ich entbehren könnte. ich gab, nicht, weil ich nicht nein sagen könnte. er schwatzt nicht ab, er bittet. nicht, weil er mir leid tat. er sah nicht aus, als wenn das nötig wäre.
ich gab, worum er bat.
das, was ich entbehren konnte.

sauna

wann sonst kann man ende oktober unbekleidet auf der terrasse liegen und in den herbstlichen sternenhimmel schauen.

28.10.05

heureka

die anzahl der mail-eingänge lässt sich um ein vielfaches steigern, wenn man beiträge im forum abonniert.

27.10.05

rabenschwarz

der heutige tag wird in meine private gretegeschichte eingehen als der tag, an dem ich mich erstmalig von einem vertreter bequatschen ließ, hinterher mich fragend, wo der vollbesitz meiner geistekräfte war.

26.10.05

sehnsüchtig

für filmkritiken bin ich auch nicht zuständig. aber ich wollte die tatsache, in der videothek einen film gefunden zu haben, der meisterhaft formuliert, wie verständlich und doch zugleich sinnlos alles bemühen ist, wenn liebe nicht erwidert wird, nicht unerwähnt lassen.

schweigsam

einem tier spricht niemand das recht ab, sich in eine stille ecke zurückzuziehen, wenn es krank ist, bis es ihm wieder besser geht.

25.10.05

wall

urlaub fetzt nur, wenn man der ist, der fehlt.

24.10.05

dazu gelernt

wissen sie
a) was ein euphonium ist?
b) wie man auf einem wasserbett schläft?

umweg

am ersten rückwärtigen autobahnkreuz prallen des katers misstrauen an meiner orientierungfähigkeit, die normalerweise so verlässlich ist, wie eine wettervorhersage mittels frosch und leiter und hennes durch bravouröse scouttätigkeit bei der hinfahrt geschulte aufmerksamkeit aufeinander.

22.10.05

marionettentheater

"weißt du, wie sie die welt verändern?", fragt der kleine, "sie drehen einfach weiter."

21.10.05

apfelbaumstämme

die kinder wetteifern an den seilbahnen, wobei der kleine mit masse, tempo und großer klappe stets an der spitze liegt. den durch ein leichtes kopfnicken angedeuteten gruß später erwidere ich mit einem breiten lachen. wir sind verschieden wie unsere söhne.

20.10.05

verweichlicht

ich bin stolzer absolvent des alientrainings. der kater hielt meine hand und sagte die gruseligsten szenen an. es hat nichts genützt. allein kapituliere ich vor einem abendlichen uraltheuler mit robert redfort.

urlaubsfotos

stellen sie sich hier ein wolkenverhangenes tal vor, ein wie gemalt aussehender fliegenpilz, eine frau am spinnrad, die kinder hüpfend vor weideland. der kater kommt erst morgen.

19.10.05

entfernt

und sie schrieb, dass man um seine rechte kämpfen müsse und sie also die ausstehende gehaltserhöhung eingeklagt habe und dass der mann, mit dem es so romantisch anfing wieder weg sei und dass sie sich von niemandem mehr verändern lasse, außer von gott. der brief liegt nun schon ein jahr und ich kann und kann keine worte finden.

18.10.05

existenz

um eine nachweisreaktion durchführen zu können, muss klar sein, wonach man sucht.

in fremden landen

urlaub machen bedeutet, ewige vorbereitungen, aufräumen, sachen packen, wichtiges noch vorher erledigen, die abwesenheit organisieren, eine lange autofahrt. nun stelle ich fest: hier ist nicht zu hause.

17.10.05

blick zum taunus

der erste urlaubstag ist der letzte arbeitstag.

16.10.05

reden ist silber

ein ausgesprochender satz ist wie eine abgeschickte mail: sie lassen sich nicht zurück nehmen. ich wünsche mich zurück in den kleinen moment kurz davor mit einer neue chance, den raum vor dem satz mit einem nachdenken zu füllen, um aus den unendlich vielen erwiderungen eine passendere auszuwählen.

metastasen

der großvater weiß es. henne auch. "irgendwann sehen wir uns alle wieder", sagt der kater immer.

15.10.05

prognose

"literatur wird es immer geben."

14.10.05

tamagotchi

"da habt ihr aber glück mit eurer mutti", sag ich zu den mit pipsendem spielzeug im büro stehenden sechsjährigen zwillingsmädchen der kundin, "ich hätte das nicht erlaubt", obwohl es mich überhaupt nichts angeht.

zwei

mit dir bis ans ende der welt.

heute, morgen und in alle ewigkeit.

13.10.05

englisch für hühner

"ich bin ein germane."

12.10.05

sowohl als auch

die wenigsten tage gehen zu ende, wie sie begannen. man hüte sich vor übertriebener euphorie und trübsinn am morgen.

angenäht

aus einem langen intensiven abend durch eine zu kurze nacht über ein müdes aufstehen angefeuert von jule neigel in einen aktionsreichen morgen gesprungen. gute laune.

11.10.05

hans im glück

der schein steckt noch im automaten. ich rufe der frau nach. sie kommt zurück und lächelt verlegen. sie freut sich. zehn euro waren es.

10.10.05

wie schön

du bist, wer ich nie sein kann.

vorwand

der kleine wollte nicht allein einschlafen. nun such ich online gesellschaft.

momente

"ich mag pflanzen, die breit wachsen und gut riechen", sagt henne und streicht mit der hand über zitronenthymian. daneben pflanze ich iris.

8.10.05

frohe botschaft

die essen der kinder hatte das ältere ehepaar am nebentisch schon bezahlt. "ich habe sein lächeln im rücken gespürt", sagt m., "als wir uns an den händen fassten."

7.10.05

nachts

ich liebe schaufenster (und die plötzliche idee, das wunderbare, irgendwann aus den beständen der bibliothek verschwundene buch "spektakuläre schaufenster" bei einem online-buchversand zu suchen, verschob eben das vorhaben der kontensanierung auf ab morgen), nicht nur, weil ich immer auf ideensuche bin, sondern weil ein schaufenster einer theaterbühne gleicht. ganze geschichten kann man erzählen. am schönsten sind beleuchtete fenster. in der vorweihnachtszeit. nach ladenschluss, wenn die straßen leer sind und keine verkäuferin hinter den auslagen auf mein eintreten hofft. aber, werte dame, möchte ich rufen, wenn sie aus übertriebenem sicherheitsbedürfnis am abend die rolläden herablassen, werde ich nie erfahren, was sie verkaufen.

außerplanmäßig

der zweite tag eines akuten schnupfens war plötzlich zu ende, ohne dass ich das wichtigste besprechen konnte.

5.10.05

dorfnews

gegenüber hat am vormittag eine werbeagentur der schlechteren art ein schild über das lädchen, das so lange leer stand, gehängt. kinder wird es dort geben. und bücher. und co, also dinge, die keine mensch braucht. hässliche schilder sind vermutlich billiger. "es ist eine schande, was die bezahlen", sagt der vermieter mit der bekannten finger-reibe-bewegung. er ist ziemlich alt. im hinterhaus hat er tauben, die am abend eine runde über den dorfplatz fliegen.

gezeiten

schöne tage, an denen ich vergesse, dass es ein internet gibt. an denen die schwermut keinen platz zwischen erledigungen und erlebnissen findet. an denen der elan ausreicht, langbedachte pläne in fahrt zu setzen und an denen der moment, an dem die welle der unerledigten aufgaben über mir zusammen bricht, noch in unsichtbarer ferne liegt.

4.10.05

sechs uhr fünfzehn

der wecker erlöst mich aus bleischweren träumen.

3.10.05

abmessung

"ich bin der größte unter den kleinen jungs", sagt der kleine.

2.10.05

zum erntedank

"nehmen, danken, geben - das ist der rhythmus des lebens."