gemeindestrukturreform
eine pfarrstelle wurde gestrichen. es geht, wer sich bereit erklärt. zum abschied donnert der kantor bach durch alle register. eine frau weint.
wer gibt, weil er braucht, schöpft aus einer trüben quelle. (anselm grün)
eine pfarrstelle wurde gestrichen. es geht, wer sich bereit erklärt. zum abschied donnert der kantor bach durch alle register. eine frau weint.
die letzten zehn taler, die ich einstecken hatte, gab ich dem penner, der schmuddelig, nach alkohol riechend in meinem laden stand und fragte, ob ich ihm geben würde, was ich entbehren könnte. ich gab, nicht, weil ich nicht nein sagen könnte. er schwatzt nicht ab, er bittet. nicht, weil er mir leid tat. er sah nicht aus, als wenn das nötig wäre.
wann sonst kann man ende oktober unbekleidet auf der terrasse liegen und in den herbstlichen sternenhimmel schauen.
die anzahl der mail-eingänge lässt sich um ein vielfaches steigern, wenn man beiträge im forum abonniert.
der heutige tag wird in meine private gretegeschichte eingehen als der tag, an dem ich mich erstmalig von einem vertreter bequatschen ließ, hinterher mich fragend, wo der vollbesitz meiner geistekräfte war.
für filmkritiken bin ich auch nicht zuständig. aber ich wollte die tatsache, in der videothek einen film gefunden zu haben, der meisterhaft formuliert, wie verständlich und doch zugleich sinnlos alles bemühen ist, wenn liebe nicht erwidert wird, nicht unerwähnt lassen.
einem tier spricht niemand das recht ab, sich in eine stille ecke zurückzuziehen, wenn es krank ist, bis es ihm wieder besser geht.
am ersten rückwärtigen autobahnkreuz prallen des katers misstrauen an meiner orientierungfähigkeit, die normalerweise so verlässlich ist, wie eine wettervorhersage mittels frosch und leiter und hennes durch bravouröse scouttätigkeit bei der hinfahrt geschulte aufmerksamkeit aufeinander.
"weißt du, wie sie die welt verändern?", fragt der kleine, "sie drehen einfach weiter."
die kinder wetteifern an den seilbahnen, wobei der kleine mit masse, tempo und großer klappe stets an der spitze liegt. den durch ein leichtes kopfnicken angedeuteten gruß später erwidere ich mit einem breiten lachen. wir sind verschieden wie unsere söhne.
ich bin stolzer absolvent des alientrainings. der kater hielt meine hand und sagte die gruseligsten szenen an. es hat nichts genützt. allein kapituliere ich vor einem abendlichen uraltheuler mit robert redfort.
stellen sie sich hier ein wolkenverhangenes tal vor, ein wie gemalt aussehender fliegenpilz, eine frau am spinnrad, die kinder hüpfend vor weideland. der kater kommt erst morgen.
und sie schrieb, dass man um seine rechte kämpfen müsse und sie also die ausstehende gehaltserhöhung eingeklagt habe und dass der mann, mit dem es so romantisch anfing wieder weg sei und dass sie sich von niemandem mehr verändern lasse, außer von gott. der brief liegt nun schon ein jahr und ich kann und kann keine worte finden.
urlaub machen bedeutet, ewige vorbereitungen, aufräumen, sachen packen, wichtiges noch vorher erledigen, die abwesenheit organisieren, eine lange autofahrt. nun stelle ich fest: hier ist nicht zu hause.
ein ausgesprochender satz ist wie eine abgeschickte mail: sie lassen sich nicht zurück nehmen. ich wünsche mich zurück in den kleinen moment kurz davor mit einer neue chance, den raum vor dem satz mit einem nachdenken zu füllen, um aus den unendlich vielen erwiderungen eine passendere auszuwählen.
der großvater weiß es. henne auch. "irgendwann sehen wir uns alle wieder", sagt der kater immer.
"da habt ihr aber glück mit eurer mutti", sag ich zu den mit pipsendem spielzeug im büro stehenden sechsjährigen zwillingsmädchen der kundin, "ich hätte das nicht erlaubt", obwohl es mich überhaupt nichts angeht.
die wenigsten tage gehen zu ende, wie sie begannen. man hüte sich vor übertriebener euphorie und trübsinn am morgen.
aus einem langen intensiven abend durch eine zu kurze nacht über ein müdes aufstehen angefeuert von jule neigel in einen aktionsreichen morgen gesprungen. gute laune.
der schein steckt noch im automaten. ich rufe der frau nach. sie kommt zurück und lächelt verlegen. sie freut sich. zehn euro waren es.
"ich mag pflanzen, die breit wachsen und gut riechen", sagt henne und streicht mit der hand über zitronenthymian. daneben pflanze ich iris.
die essen der kinder hatte das ältere ehepaar am nebentisch schon bezahlt. "ich habe sein lächeln im rücken gespürt", sagt m., "als wir uns an den händen fassten."
ich liebe schaufenster (und die plötzliche idee, das wunderbare, irgendwann aus den beständen der bibliothek verschwundene buch "spektakuläre schaufenster" bei einem online-buchversand zu suchen, verschob eben das vorhaben der kontensanierung auf ab morgen), nicht nur, weil ich immer auf ideensuche bin, sondern weil ein schaufenster einer theaterbühne gleicht. ganze geschichten kann man erzählen. am schönsten sind beleuchtete fenster. in der vorweihnachtszeit. nach ladenschluss, wenn die straßen leer sind und keine verkäuferin hinter den auslagen auf mein eintreten hofft. aber, werte dame, möchte ich rufen, wenn sie aus übertriebenem sicherheitsbedürfnis am abend die rolläden herablassen, werde ich nie erfahren, was sie verkaufen.
der zweite tag eines akuten schnupfens war plötzlich zu ende, ohne dass ich das wichtigste besprechen konnte.
gegenüber hat am vormittag eine werbeagentur der schlechteren art ein schild über das lädchen, das so lange leer stand, gehängt. kinder wird es dort geben. und bücher. und co, also dinge, die keine mensch braucht. hässliche schilder sind vermutlich billiger. "es ist eine schande, was die bezahlen", sagt der vermieter mit der bekannten finger-reibe-bewegung. er ist ziemlich alt. im hinterhaus hat er tauben, die am abend eine runde über den dorfplatz fliegen.
schöne tage, an denen ich vergesse, dass es ein internet gibt. an denen die schwermut keinen platz zwischen erledigungen und erlebnissen findet. an denen der elan ausreicht, langbedachte pläne in fahrt zu setzen und an denen der moment, an dem die welle der unerledigten aufgaben über mir zusammen bricht, noch in unsichtbarer ferne liegt.